Reise blog von Travellerspoint

Jul 2008

La vuelta del invierno

Die Rückkehr des Winters...

7 °C
View Auf und davon nach Argentinien auf lilatina's Reise-Karte.

... hat mich nun auch dazu veranlasst, meine Winterjacke aus dem kleinen Kleiderschrank hervorzukramen. Zwar ist es nicht wirklich eisig kalt (Handschuhe, wie sie viele ArgentinierInnen tragen, finde ich etwas übertrieben), aber es ist schon frisch geworden. Wie auch in meiner ersten WG in Bremen habe ich mal wieder das große Los gezogen und wohne in dem Zimmer mit defektem Fenster. Die kleine (Balkon-) Tür in meinem cuarto kann man zwar schließen, doch da in dem Raum dahinter ein Fenster kaputt ist, zieht es ordentlich, wenn hier oben im 16. Stock mal ein Windchen weht. Schon mehre Male hat Sebas beim Fenstermacher angerufen, der die Fläche wohl auch schon ausgemessen hat, aber irgendwie nicht dazu kommt, eine Scheibe einzusetzen. Letzens, es war so gegen 00:30 (!) - ich wollte gerade ins Bett gehen - kam er dann nochmal vorbei, um auszumessen, da er die Maße wohl mittlerweile vergessen hatte. Schon ein bisschen argentinisch, Handwerker um Mitternacht.

Endlich haben wir auch den Dreh raus, wie die Heizung entfacht wird. Doch irgendwie geht sie manchmal einfach wieder aus. Wird Zeit, dass es Frühling wird in Argentinien...

Eingestellt von lilatina 24.07.2008 6:16 PM Archiviert in Argentinien Kommentare (0)

Día del amigo

Das zweite Wochenende in Córdoba


View Auf und davon nach Argentinien auf lilatina's Reise-Karte.

Mittlerweile habe ich schon einige Disco-Besuche hinter mir. Allerdings: Disco heißt die hiesige Supermarktkette, deren Filialen man hier an jeder Ecke findet. Am Samstag bin ich also mal wieder bei Disco und gegutachte gerade die verschiedenen Sorten von Quilmes-Bier, da wird mir an einer Art Promotion-Stand ein Glas Fernet mit Coca Cola auf Eis angeboten, welches hier eins der Nationalgetränke ist. Nach der angenehmen Erfrischung kann ich der netten Verkäuferin dann auch nicht abschlagen, eine Flasche Fernet und eine Coca zu kaufen. Sie wundert sich nur, dass ich das Angebot ablehne, die im Karton verpackte Flasche zu nehmen und fragt, ob ich es denn nicht verschenken möchte. Da fällt mir ein: Ach ja, morgen ist ja día del amigo.

Der Freundetag am 20. Juli wird in Südamerika - zumindest in Argentinien - ziemlich groß gefeiert. Die Geschäfte sind voll von thematischen Artikeln und Werbung wie vor Weihnachten. Selbst in der Schule feiern wir den Tag in Form einer vorgezogenen Party am Donnerstag. Damit das Ganze auch schön unterrichtsbezogen ist, entwerfen wir für die fiesta del día del amigo "sehr kreative" Plakate, um den argentinischen Imperativ zu üben. Festejá con tus amigos y conocé a otros...

Am Freitag erscheinen alle, auch unser Lehrer Federico, ziemlich verschlafen zum Unterricht. Nach ein bisschen Grammatik und Jenifer-Lopez-Song-Analyse tauschen wir unsere Geschenke aus, die jeder nach dem Wichtel-Verfahren für eine andere Person der Klasse besorgt hat. Ich bekomme von meiner amiga invisible aus Brasilien ein Buch eines argentinischen Autors und einen Alfajor, ein argentischer Mini-Schokoladenkuchen. Muy rico!

Für Samstag Nacht hatte ich mich mit Lisa, einer anderen deutschen Praktikantin, verabredet. Doch vorher fragte mich mein Mitbewohner Sebas, ob ich Lust hätte mit ihm und 3 Freundinnen Essen zu gehen. Claro que sí! Um 23:30 hatten wir endlich einen Tisch im Boca del Lobo, nachdem wir durch ganz Nueva Córdoba (Studentenviertel) gelaufen waren. Wegen día del amigo war so viel los, dass alles voll oder reserviert war. Die meisten Lokale, wo junge Leute essen gehen, sind übrigens eine Mischung aus Disko und Bar. Also essen bei ziemlich lauter Musik. Nach Pizza und einem Ganzia Fin del Mundo-Drink ging es dann gegen 01:30 weiter ins Mitre, eine bekannte boliche (Disko) in Córdoba, schließlich war ich erst um 2:30 mit Lisa im Pétalos del Sol verabredet.

Kaum dort angekommen, wurde ich auch schon direkt von den ersten Typen auf meine Größe angesprochen. Wie denn die Luft da oben sei? Leider wusste ich in dem Moment nicht, wie man "es riecht nach Zwergen" auf spanisch ausdrückt (wahrscheinlich "huele a nanos";-D), also sagte ich einfach nur: "Mejor que abajo" zu den kleinen Männern an der Bar.

Die Nacht entwickelte sich noch zu einer kleinen Irrfahrt durch Córdoba, weil auch die anderen Mädels die blöden Anmachen satt waren (wir waren 3 blonde Deutsche und eine Puerto Ricanerin). Die von Lisa vorgeschlagene Disko ohne Namen fanden wir natürlich nicht und so landeten wir am Schluss doch wieder im völlig überfüllten Mitre, wo ich ja vorher schon gewesen war. Da sich die anderen ziemlich schnell aus dem Staub machten, machte ich mich auf die Suche nach Sebas und seinen Freundinnen... Um 8 Uhr morgens fielen wir schließlich ins Bett und verschliefen fast den eigentlichen día del amigo.

Eingestellt von lilatina 20.07.2008 4:14 PM Archiviert in Events | Argentinien Kommentare (2)

Gegrillte Lymphknoten

Jesús María Kulturschock

sunny 22 °C
View Auf und davon nach Argentinien auf lilatina's Reise-Karte.

"Jesús María" ist nicht etwa ein Ausruf des Erstaunens, sondern ein kleiner Ort ca. 50 Kilometer nördlich von Córdoba. Dort saß ich nun mit Cathi und Mercedes am Busbahnhof von Jesús María und wartete auf Augustina, die uns zum Landgut ihrer Eltern für ein Asado eingeladen hatte und uns am Bahnhof abholen wollte. Obwohl ich das Buch "Kulturschock" noch nicht wirklich gelesen habe, hatte ich mich von Anfang an auf die Unpünktlichkeit der Argentinier eingestellt (die mir ja auch gar nicht so fremd ist ;-)) und war daher kaum überrascht, dass uns Augustina ein Stunde warten ließ. Als Entschädigung bekamen wir drei Wartenden dann nachher aber jede einen kleinen Beutel mit Süßigkeiten geschenkt, wie beim Kindergeburtstag.

DSCN6341.jpg

Und dann gings erstmal zum Restaurante Parrilla Aromas, lecker typisch argentinisches Fleisch vom Grill (asado) essen. Der Kellner bringt nach und nach verschiedene Stücke vom Rind und nimmt auch immer schön die Reste und Knochen herunter, damit man auf dem Holzbrett genug Platz zum Essen hat. Nach Steak, Kotelett, Rippe und Wurst, das alles noch einigermaßen bekannt aussah und auch sehr lecker schmeckte, wurden einem dann irgendwann etwas unbekanntere gegrillte Stücke gereicht. Es handelte sich um chinchulines, riñón und ganglio, Worte, die mir zu dem Zeitpunkt nichts sagten und ich also keinen Grund hatte, die Stücke nicht zu probieren. Während mir die ersten beiden (Dünndarm und Niere) nicht wirklich zusagten, erschien ganglio irgendwie noch am angenehmsten. Zum Glück erfuhr ich erst nachher, dass ich gegrillte Lymphknoten gegessen hatte. Hoffentlich sind meine nicht deshalb jetzt so angeschwollen...

Nach dem Essen ging es dann zum Landhaus, einem früheren Jesuitenkloster mit riesigem Grundstück, Hunden und Pferden. Der einzige Mann der Truppe machte leider als Gaucho keine gute Figur. Er fiel trotz jahrelanger Reiterfahrung vom Pferd (tat sich aber glücklicherweise nichts Ernstes). Der Tag, der schon so typisch argentinisch begonnen hatte, klang schließlich mit Mate-Tee in geselliger Runde aus.

DSCN6355.jpg

Eingestellt von lilatina 15.07.2008 5:07 PM Archiviert in Food | Argentinien Kommentare (0)

(Sch)eis drauf

Frutilla y chocolate

sunny 25 °C
View Auf und davon nach Argentinien auf lilatina's Reise-Karte.

Mein erster Samstag in Córdoba. Trotz des schönen Wetters habe ich den halben Tag im Bett verbracht und erst gegen 14 Uhr gefrühstückt (war damit aber die erste aus unserer Langschläfer-WG). Immerhin war ich ja am Freitag das erste Mal abends in einer boliche/ Bar in Nueva Córdoba gewesen. Den Rest des Tages wollte ich nutzen, um mal ein bisschen die Gegend zu erkunden, also lief ich erstmal ein paar cuadras Richtung Fluss, wo es aber tatsächlich sehr hässlich ist. Also begab ich mich doch wieder auf den mir bekannten Weg ins Zentrum. Auf der Avenida Colon kamen mir mehrere Cordobeses mit Eis in der Hand entgegen und da hier ja noch immer sommerliche Temperaturen herrschen (auch nach Sonnenuntergang noch über 20 Grad), dachte ich mir, da gönn ich mir doch auch mal eins. In der Heladería bekam ich nach einigen Verständigungsschwierigkeiten (woher soll ich auch auf einmal wissen, dass Kugel nicht "bola" und Erdbeere statt "fresa" "frutilla" heißt?) mein Eis im Hörnchen, das ich dann auf dem Weg zum Shopping Center Patio Olmos verputzen wollte. Unterwegs machte ich mir noch Gedanken, dass ich mir vielleicht etwas gesünderes hätte kaufen sollen, da man ja hier mit den ganzen Empanadas, Pizzas, galletas usw. schon ziemlich reinhaut. Ich wollte gerade eine der wenigen Fußgängerampeln, die es in Córdoba gibt, überqueren, da höre ich ein "Platsch", richte den Blick automatisch nach oben und sehe einen Vogel ziemlich hoch über mir im Baum sitzen. Der nächste Blick geht zum Eis in meiner Hand, wo sich zum Rot der Erdbeere und Braun der Schokolade noch ein saftiges Grün hinzugesellt hat. Hat mir doch der Scheiß-Vogel aus dieser Höhe direkt ins Hörnchen geschissen!!! Ich kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen und nehme diese Geste als subtilen Hinweis, dass ich vielleicht doch etwas mehr auf meine Ernährung achten sollte ;-)

Eingestellt von lilatina 15.07.2008 4:45 PM Archiviert in Animal | Argentinien Kommentare (1)

Mi primer día

13 Stunden Flug und 9 Stunden Omnibus

sunny 20 °C
View Auf und davon nach Argentinien auf lilatina's Reise-Karte.

So, eben noch im sommerlichen Deutschland und jetzt schon im genauso heißen winterlichen Córdoba. Vor einem Jahr hat es hier angeblich noch geschneit, doch jetzt ist es hier erstaunlich warm für Winter. Was ich hier vom Balkonpanorama erahnen kann, sind es mindestens 20 Grad! Wofür habe ich jetzt mein ganzes Winterzeug mitgeschleppt und diese enorme Übergepäcksumme bezahlt? ;-)
Die Reise verlief exakt wie geplant, nur noch etwas schneller:-) Zwar saß ich mit der Lufthansa alles andere als in der ersten Reihe, dafür verging die Zeit wie im Flug. Die Reise und mein Sitznachbar im Flugzeug wiesen so viele Ähnlichkeiten mit Tommy Jauds Roman Resturlaub auf, dass ich glaubte, ich wär im Film. Und dabei waren die Leute von VOX ja gar nicht dabei. Wie Pitschi sah ich beim Landeanflug gegen 18:30 Buenos Aires von oben wie ein orange farbenes Netz. Echt gigantisch! Aber dass es schon so früh dunkel wird?
Martin und ich haben uns dann erstmal am falschen Einreiseschalter angestellt und wollten so tun, als wären wir schon Argentinos. Dann wies mich aber eine echte Argentina darauf hin und zusammen mit der uruguayanischen Basketballnationalmannschaft, die den erworbenen Pokal extra nicht eingepackt hatte, stellten wir uns dann in die richtige Schlange. Nach wenigen Minuten hatte ich den Stempel im Pass. Bevor wir zum Kofferband gelangten, mussten wir zunächst aber noch einen großen Dutyfree-Shoppingbereich durchqueren. Wie alles waren auch die Koffer ruckzuck da. Martin wollte zum Glück auch zum Retiro Busbahnhof und dann von da aus sein Hostel suchen. Wir bestellten uns ein Flughafentaxi für 20 Euro und waren nach 40 Minuten da. Auf dem Weg passierten wir auch die angeblich größte Straße der Welt, die Avenida 9 de Julio mit dem Obelisken.

Am Retiro kaufte ich ein Ticket für den teuersten Bus (< 30 Euro) nach Córdoba, der nach 1,5 Stunden abfahren sollte. Also kaufte ich mir erstmal ein frisches Andenwasser und checkte das bano público. Um 22:05 Ortszeit ging die Fahrt pünktlich los. Diesmal saß ich ganz vorne im oberen Deck, also mit bestem Blick auf der Fahrt durchs dunkle Buenos Aires. Als ich gerade meinen Sitz zurückklappen wollte zum schlafen, kam der Azafata (Steward) und brachte erstmal noch Abendessen. Eigentlich hatte ich gar keinen richtigen Hunger, wir hatten ja vor dem Landeanflug auch noch lecker Essen bekommen. Und für meinen Körper war es nun ja auch schon 3 Uhr nachts. Aber wann kann die Lisa schonmal ein Essen zurückweisen? Das Stück Fleich mit Kartoffelbrei und Möhrensalat hatten keine Chance. Das Postre passte nun aber wirklich nicht mehr rein und wurde vorausschauend fürs Frühstück aufbewahrt. Danach wurde mehr schlecht als recht geschlafen in den eigentlich bequemen Leder-Liegen, neben schnarchenden Argentiniern.

Um kurz nach sechs gab es Frühstück, also so süßes Zeug und Kaffee, bevor wir planmäßig um 6:30 den Terminal de Omnibuses de Córdoba erreichten. Dort stieg ich dann direkt wieder ins Taxi zu meiner neuen Adresse. Die Fahrt sollte nur 8 Pesos kosten und der Fahrer zierte sich etwas meine Dollars anzunehmen. Mit 5 Dollar gab er sich dann aber doch einverstanden:-)

Und jetzt die Szene, die dann allerdings doch ein bisschen vom Resturlaub abweicht, aber eben nur ein bisschen : Ich steh also um 7 Uhr morgens im immer noch verschlafenen und stockdunklen Córdoba auf der Avenida Colon, no 845 und suche depto 16 D. Das Haupttor ist zum Glück offen und dahinter gibt es 2 riesige Torres. Beim Turm C/D steht zum Glück auch die Tür offen (da kommt man nämlich sonst nur mit Schlüssel rein). Es gibt einen kleinen Vorraum mit Pflanzen und 2 Sesseln und 2 Fahrstühle, von denen ich dann einen nach oben nehme. In dem Miniflur, wo ich ankomme gibt es nur zwei Türen: 16C und 16D. Ich klingel, aber anstatt der netten Bambergerin Keks (im Buch) macht mir niemand auf. Ich versuchs noch ein paar mal, aber dann fahre ich erstmal wieder runter, lasse den schweren Koffer aber oben. Versuche es auch unten an der Klingel nochmal: nichts. Die schlafen wohl noch alle. Ich weiß, dass Catherina um 9 bei COINED sein muss, deshalb hoffe ich mal, dass sie um 7:30 aufsteht. Ich setze mich erstmal in den kleinen Vorraum und schau den Putzmännern zu, die alles ganz ordentlich sauber machen und sogar das Klingelschild polieren. Eine halbe Stunde später wird mir tatsächlich geöffnet, Catherina ist ganz verschlafen, aber ihr Wecker hat auch gerade erst geklingelt. Und: Ursprünglich kommt sie aus Bamberg. Kann das jetzt noch ein Zufall sein? Bevor ich ins Bett husche, erlebe ich noch meinen ersten Sonnenaufgang in Argentinien, den man von unserem Wohnzimmer wunderbar sehen kann...

DSCN6308.jpg

Eingestellt von lilatina 12.07.2008 6:25 PM Archiviert in Argentinien Kommentare (0)

(Einträge 1 - 5 von 5) Seite [1]